Fr 16 Feb 2007
„Die Klassiker haben nicht die Probleme des heutigen Menschen“, sagte Friedrich Gulda einmal in einem Interview. So verschrieb er sich immer mehr der Jazzmusik und komponierte 1955 seine ersten Jazzstücke und Arrangements.
Er führte zusehends eine Art musikalisches Doppelleben, war Gast bei Jazzfestivals und Jazzformationen ebenso wie in klassischen Konzerthäusern. Doch sein musikalischer Schwerpunkt verschob sich immer mehr in Richtung des Jazz, den er als die maßgeblichste Richtung moderner Musikentwicklung sah. Seine Skepsis gegenüber dem klassischen Musikbetrieb manifestierte sich 1969, als er anlässlich der Verleihung des Ehrenrings des dritten Wiener Beethovenwettbewerbs, eine provokant-kritische Dankesrede hielt.
Darin prangerte er den verstaubten und konservativen Ausbildungsansatz der Wiener Musikakademie an und trat für eine Erweiterung der Ausbildung auch auf außereuropäische Musikentwicklungen ein. Dem ausgelösten Skandal folgte die Rückgabe des Rings nach fünf Tagen.
Guldas musikalisches Streben fußte auf einem Musikbegriff, der sich nicht mit der reinen Reproduktion alter Meister zufrieden gab. Er verlangte vielmehr ein zeitgemäßes Auseinandersetzen mit Musik, sodass Musik jeglicher Couleur einem breiten Publikum verständlich dargeboten wird. Dies führte er aus, indem er beispielsweise Bach-Konzerte auf einem elektrisch verstärkten Clavichord spielte oder Mozarts Konzert für zwei Klaviere mit dem Jazzpianisten Chick Corea interpretierte.
Guldas Hang zur theatralischen Inszenierung seiner Konzerte zeigte sich auch noch 1999, als er seinen Tod vortäuschte, um kurz darauf seine „Auferstehung“ bei einem Konzert zelebrieren zu können.
Friedrich Gulda war auch als Klavierlehrer tätig. Er gab nicht nur der berühmten argentinischen Pianistin Martha Argerich Klavierunterricht, auch zwei seiner Söhne sind anerkannte Pianisten geworden. Friedrich Gulda starb am 27. Januar 2000 – Mozarts Geburtstag – im österreichischen Steinbach am Attersee.
Andreas Reer af@ansus.com
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