Mi 25 Jul 2007
Ein Kunsthandwerk der besonderen Art ist der Umgang mit Spachtelmassen. Dabei kann eine Bandbreite an Strukturflächen geschaffen werden. Anders als in vergangener Zeit wird ein Künstler nicht mehr durch eine Malschule in eine bestimmte Richtung gelenkt. So können sie ihre innewohnenden Empfindungen in eigenen ästhetischen Gestaltungsformen kreieren. Bereits einige Maler des 19. Jahrhunderts versuchten, mit plastischen Baumaterialien Strukturoberflächen zu erzeugen. Ihnen standen jedoch nur Materialien aus Kalk zur Verfügung, die schlecht auf den vorhandenen Untergründen hafteten.
Mit dem Dispersionsbinder, der heutigen Spachtelmassen zugrunde liegt, eröffneten sich neue Anwendungsmöglichkeiten. Willi Baumeister war einer der ersten, die mit Dispersionsbinder experimentierten. Mit plastischen Grundierungen war er bereits in den 60er Jahren bekannt geworden. Er verstand in der Entstehung eines Bildes immer einen Prozess, in welchem sich
Stoff und Material bilden und bildnerische Mittel elementar zum Ausdruck bringen.
Jegliches Experimentieren und das Entwickeln neuer Formensprachen wurden von Baumeister ausdrücklich unterstützt.
Spachtelmassen bestehen hauptsächlich aus Dispersionsbinder und Füllstoffen wie Sand oder Marmormehl. Dieser Binder ergibt Spachtelmassen, die sich hervorragend für die Tafelbildmalerei und Dekoration auf der Wand eignen.
Viele moderne Baumaterialien bieten weitere Möglichkeiten, den Bilduntergrund haftend zu machen, so eigenen sich beispielsweise Bau- und Fliesenkleber. Der eigenen Experimentierfreudigkeit sind dabei keine Grenzen gesetzt.
Mit der Möglichkeit Acrylharz herzustellen wurden Dispersionsbinder ab 1915 für die Farbherstellung zunehmend wichtiger. Dabei galt das Hauptaugenmerk der Industrie zunächst dem Bausektor.
Kunstharzdispersionen sind milchig und trocknen wasserunlöslich und klar auf. Problematisch ist die Sprödigkeit, die mit der Zugabe von Weichmachern bekämpft werden sollte. Diese riefen Vergilbungen hervor, die nicht erwünscht waren.
Mittlerweile existieren Dispersionen ohne Weichmacher, denen bei künstlerischen Arbeiten der Vorzug zu geben ist. Letztendlich liegt die Wahl jedoch in der Hand des Künstlers.
Bernhard Heß
info@dukasi.de
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