Fr 5 Jan 2007
Die Menschen kommen zu ihr, um sich bei Lern- oder Leistungsblockaden helfen zu lassen. Kinesiologin Ulricke Pandit (*) beginnt um 9 Uhr morgens mit der ersten Sitzung in ihren Praxisräumen im eigenen Haus. Sie muss keine Anfahrtswege zum Arbeitsplatz in Kauf nehmen, hat keinen Stress mit mobbenden Kollegen und muss sich nicht in unnötigen und eintönigen Meetings langweilen, in denen ego-betonte Kollegen ihren Status verteidigen wollen. Stattdessen ist sie ihr eigener Chef und bestimmt somit selbst, wann und wie viel sie arbeitet. Natürlich hat die Selbstständigkeit nicht nur ihre schönen Seiten, sondern ist auch mit Risiken verbunden. Aber Frau Pandit hat es geschafft. Sie ist mit ihrer Praxis so erfolgreich, dass sie ihr Wissen in Seminaren in ganz Deutschland weitergibt.
Die Entscheidung zum Absprung aus dem alten Beruf als Gärtnermeisterin im Gemüsebau traf sie aus der Not heraus, weil ihr alter Arbeitgeber den Betrieb aufgab und sie für sich keine Perspektive mehr im erlernten Beruf sah. Die Phase der Neuorientierung und Gründung war nicht immer einfach. Die Idee für den neuen Beruf gab ihr der Schwager, durch den sie die Wirksamkeit der Kinesiologie am eigenen Leib erlebte. So machte sie eine fundierte Ausbildung und baute ihre Praxis hauptsächlich durch Mund-zu-Mund Propaganda auf, bis sie das Angebot einer Klinik wahrnahm und sich nun um Dinge wie Marketing und Werbung nicht mehr zu kümmern braucht.
Aber nicht immer verläuft der Traum der eigenen Existenz so reibungslos und erfolgreich. Business und KarriereCoach Alexandra Bass aus Heidelberg ist eine Unternehmerin bekannt, die nach 5-jähriger Selbstständigkeit mit einem Kiosk mit einem Schuldenberg von 45.000 Euro aufgeben musste – und nochmals acht Jahre brauchte, um die Schulden zurück zu zahlen. Damit das nicht passiert, rät Coach Bass zu einer guten Vorbereitung und Planung. Die Erstellung eines soliden Business- und Finanzplans ist ein Baustein, der darlegt, ob und wie das zukünftige Unternehmen sich rechnet. Die Recherche, ob das Angebot von Produkt oder Dienstleistung in Leistung und Preis von den potentiellen Kunden angenommen wird, ist ebenso notwendig wie die Überlegung, wie und wo die Kundschaft zu finden ist und angesprochen werden soll. Auch die Frage nach der dauerhaften Tragfähigkeit der Existenz sollte schon vor der Gründung genau durchgerechnet werden. Ansprechpartner, die Hilfestellung geben können während der Gründungsphase sind beispielsweise die Industrie- und Handelskammern vor Ort. Allgemeine Informationen zu Themen wie Steuern, Buchhaltung und Marketing werden dort in Seminarreihen vermittelt. Bei individueller Beratung macht aber auch die Inanspruchnahme eines Beraters Sinn, der auf individuelle Fragen eingehen kann. Coach Bass meint, dass es meist nicht an fehlenden Ideen für die Selbstständigkeit mangelt, sondern an der fachlichen dauerhaften Unterstützung.
Raumausstatter Martin Gross (*) hatte diese Unterstützung und war bereits während der Startphase in der Gewinnzone. Zusammen mit Beraterin Bass erarbeitete er sein Gründungskonzept. Die Arbeitsagentur war vom Erfolg der geplanten Unternehmung überzeugt und gewährte ihm einen mehrmonatigen Zuschuss zum Lebensunterhalt. Auch sein ehemaliger Arbeitgeber unterstützte ihn, indem er ihm zu einem größeren Auftrag verhalf. So ist er heute, zehn Monate nach der Gründung, mit Aufträgen so gut ausgelastet, dass die Freizeit schon fast zu kurz kommt. Herr Gross freut sich dafür umso mehr auf die vor ihm liegenden Feiertage, in denen er die freie Zeit zum Ski fahren und ausspannen nutzen will. Der Wechsel zum eigenen Chef hat sich für ihn gelohnt.
Beraterin Bass ist selbst seit fünfzehn Jahren selbstständig und mit den Höhen und Tiefen, die ein Unternehmen mit sich bringt, vertraut. Mit ihrem Business und Karriere Coaching Angebot begleitet sie Wege in die Selbständigkeit oder den Berufswechsel. Die täglichen Herausforderungen, mit denen man in dieser Neuorientierungsphase konfrontiert ist, kennt sie aus eigener Erfahrung. „Hätte ich auf meinem Weg professionelle Hilfe gehabt, wäre mein eigener Neuorientierungs- und Gründungsprozess wesentlich reibungsloser verlaufen“, reflektiert sie heute. Trotzdem, sie hat’s geschafft! Und sie hat einen deutlichen Vorteil aus ihrem eigenen Weg in die Selbständigkeit gezogen: sie nutzt ihr Wissen von Betriebswirtschaftsstudium und Praxis, um angehende UnternehmerInnen während der Gründungs- und Aufbauphase mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. So können kostspielige Fehlentscheidungen vermieden werden und das Ziel – eine tragfähige Existenz aufzubauen – in der Hälfte der Zeit erreicht werden.
Die Autorin Alexandra Bass aus Heidelberg ist Bewerbungstrainerin und Coach für berufliche Neuorientierung.
Infos zu ihr unter www.successcoach.de
(*) Name geändert
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