“Norbert, wir müssen was machen!” Pauls Stimme klang laut aus dem Chefzimmer: “Nächste Woche starten wir eine Aktion - Anzeigen in allen Tageszeitungen. Die Händler müssen die Ware vorher kaufen!”Paul ist Generalimporteur für Hoko-Schlapfen*, eine Spezialmarke für Sandalen aus Japan.

“Wir machen folgendes: irgendwer ruft alle Händler an und tut so als wäre er Kunde, und fragt nach den Dingern. Norbert, Du kümmerst Dich darum!” Norbert schüttelt den Kopf und überlegt sich, wie er den Auftrag, den er gerade bekommen hat, in die Praxis umsetzen kann. Abends, bei einem Bier mit einem Freund erzählt er über die Sache.Beide kommen aus der Callcenterwelt, Norbert als Verkäufer, Alexander als Experte für EDV und Telekommunikationslösungen. “Und kosten darf die Sache natürlich auch nichts” endet Norbert und zündet sich eine Zigarette an.

Alexander denkt kurz nach und präsentiert dann wie die Aufgabe lösbar ist:
“Es gibt da eine Telefonanlage, die läuft auf Linux, und ist Open Source. Kostet also nichts, nur die Zeit zum Einrichten. Detto eine Software zur Kundenverwaltung und -betreuung, nennt sich SugarCRM.

Das schöne daran ist das SugarCRM mit Asterisk zusammenarbeitet, d.h. die Kunden können auf Knopfdruck angerufen werden. SugarCRM ist Webbasiert, d.h. deine Mädels können mit ihren Laptops und zum Beispiel mit Firefox oder dem Internet Explorer arbeiten.

Du hast doch Breitband-Internet? Ich hab einen Voice over IP Account bei Macrogate, und zwei Headsets, damit können wir das Callcenter bei Dir zu Hause aufbauen. Ich rechne dann mit Dir die Gesprächsgebühren ab, die schreibt Asterisk in ein File mit.”

Drei Tage später ist es soweit, Norberts Tochter Andrea und Ihre Freundin rufen alle achthundert Schuhgeschäfte der Republik an und fragen, ob Hoko-Schlapfen Größe 38 und 39 lagernd sind.

Callcenter Agent bei der Arbeit

Das Ergebnis ist überwältigend – bis Ostern sind Pauls Lagerbestände an Hokos auf Null gesunken, und am Ostermontag sitzen Norbert und Alexander bei einem weitern Bier und rechnen die Aktion genau durch: 24 Stunden haben die zwei jungen Damen gearbeitet, knapp 1300 Gesprächsminuten sind angefallen, die dank der günstigen VoiP Tarife nicht ganz 34 Euro kosten.

Alexander Topolanek

atopo@ocv.org

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