Das Marktinteresse an den MOEL wurde erstmals lange vor dem EU-Beitritt der neuen Mitgliedsländer 2004 und 2007 geweckt. Anfang der 1990er Jahre veränderte sich die Region in eine blühende Nische für Investitionen, mit Polen, Ungarn und der Tschechischen Republik an der Spitze der Länder,
in der Transformation zur Marktwirtschaft.

Seit der Mitte der 90er gerät der mitteleuropäische Raum
in einen wahrnehmbaren Trend von Softwareentwicklungs- Outsourcing und steht im Wettbewerb mit weltbekannten IT-Lieferanten wie Indien und China.

Die erste Welle des Nearshoring wird hauptsächlich mit den mitteleuropäischen und Ostseeländern assoziiert, welche 2004 EU-Mitglieder geworden sind, mit Ungarn, der Slowakei und der Tschechischen Republik. Während die Mitbewerber aus Fernost um das Marktsegment von Großprojekten kämpften, beschäftigten sich die osteuropäischen IT-Lieferanten immer mehr mit dem Schema “KMU für KMU”, was das Outsourcing von mittleren und kleinen Projekten vorsieht.

Kurz danach hat die Region die Aufmerksamkeit der globalen IT-Player wie Capgemini und EPAM Systems auf sich gezogen und dadurch hat sich das Ausmaß der entwickelten Projekte weiter erhöht. Nach jüngsten Angaben der Deutschen Bank Research outsourcen die überwiegende Mehrheit der deutschen und österreichischen Hersteller immer wieder ihre Aufträge an Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn, gefolgt von Indien und osteuropäischen Ländern in der Liste der Outsourcer.

Was den EU-Ausbau betrifft, ist dessen Einfluss auf den mitteleuropäischen Markt von zweierlei Bedeutung. Einerseits wird dank dieser Erweiterung ein größerer einheitlicher Markt von IT-Dienstleistungen geschaffen, weil sowohl die Nachfrage als auch das Angebot gefördert werden. Langfristig und mittelfristig werden jedoch die Kosten für Arbeitskräfte wachsen und dies wird eine Steigerung der Entwicklungskosten zur Folge haben. Dadurch wird die EU-Mitgliedschaft den Vorteil eines konkurrenzfähigen Preises minimieren, welchen die EU-Kandidaten vorher ausnutzten. In dieser Hinsicht hat Natasha Starkell, Geschäftsführer für Goal Europe bemerkt, dass „höhere Löhne das Offshoring weiter nach Osten treiben werden“.

Die zweite Welle des Nearshoring, welche neue Outsourcing-Mitbewerber wie Rumänien und auch Bulgarien in geringerem Maße hervorgebracht hat, begann nach dem Eintritt dieser Länder in die EU 2007 an Bedeutung zu verlieren. Gleichzeitig ist das osteuropäische Outsourcing während der letzten 5 Jahre intensiver geworden. Insbesondere berichtet die Ukrainische Hi-Tech Initiative, dass der ukrainische IT-Export 2006 auf 280 Millionen Dollar mit einem Zuwachs von 60% gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist.

Vor kurzem haben manche Hi-Tech-Unternehmen wie IBM, Cisco und Motorola den nationalen IT-Markt betreten. Das Land hebt sich durch sein eindrucksvolles technisches Know-how und die attraktiven Preise ab, trotz einer gewissen Steigerung der Löhne des an der Softwareentwicklung beteiligten Personals und einer Erhöhung der Stundensätze. Mit den Stundensätzen von 15-20 EUR besetzt das Land das mittlere Preissegment und bietet günstigere Preise als Konkurrenten aus den GUS-Staaten und zwar Russland und Weißrussland.

Die meisten ukrainischen Firmen für Softwareentwicklung richten sich an KMU-Kunden, dabei machen sie ihnen wertvolle Angebote basierend auf angemessenen Preisen und einer beständigen Qualitätssicherung. Im Laufe der letzten 5 Jahre ist es zum Trend bei ukrainischen IT-Unternehmern geworden, auf die Qualität der erbrachten Dienstleistungen (ISO- und CMM-Zertifizierung) zu fokussieren, und die Kenntnisse der Programmierer durch veranstaltete professionelle Trainings und Zertifizierungen zu vertiefen.

Ein anderer zu berücksichtigender Punkt liegt in den Marketing-Instrumenten der ukrainischen IT-Lieferanten. Mit der Zeit haben sich die Bestrebungen im Bereich IT vom “schüchternen” Marketing zu gut entwickelten Strategien verändert, die eine steigende Ünterstützung seitens der Regierung bekommen. Die unternommenen Initiativen schliessen das jährliche Ukrainische Outsourcing Forum, regelmäßige Präsentationen auf der CeBIT-Ausstellung in Hannover sowie die Konferenz Silicon Valley Open Doors ein.

2007 veranstaltet die Ukraine das Gipfeltreffen “Central & Eastern European Outsourcing Summit”, das die Ukraine als eines der führenden Outsourcing-Länder im MOE-Raum vorstellen soll. Andere günstige Markttendenzen beinhalten die Gründung von professionellen Organisationen und Verbänden im IT-Bereich.
Die populärsten darunter scheinen die Ukrainische Hi-Tech Initiative, die “IT-Ukraine”-Assoziation sowie der Ukrainische Verband der Softwareentwickler zu sein.

Nach Imrana Khan und ihrer Publikation “Ukraine: A Promising IT Outsourcing Hub” trägt die ukrainische Regierung zur Entwicklung der ukrainischen IT-Industrie bei und hat schon mehr als 20 Gesetze veröffentlicht, die mit dem IT-Bereich und geistigem Eigentum zu tun haben. Unter Berücksichtigung der oben erwähnten Tatsachen wurde die Ukraine 2006 bei einigen westeuropäischen Ländern in die Liste der fünf besten Outsourcing-Zielorte aufgenommen.

Eine weitere potenzielle Richtung liegt bei dem Gebiet der Dezentralisierung des IT-Einflussbereichs: Gemäß der Analyse “Outsourcing an die Ukraine: 2006 Ergebnisse und Erwartungen 2007″ erlaubt es den regionalen Unternehmen (meistens KMU) bei ihrer dynamischen Entwicklung mit der Hauptstadt Kyiv gleichgestellt zu konkurrieren. Das wissenschaftliche Potenzial von Lviv (Lemberg), Kharkow und Odessa rüstet sie mit höchqualifizierten Arbeitskräften sowie mit einer gut entwickelten IT-Infrastruktur aus.

Zu guter Letzt hat die letzte EU-Erweiterung den bestehenden Wettbewerb zwischen mitteleuropäischen und fernöstlichen IT-Unternehmen verstärkt, dabei stellten sich die osteuropäischen Länder als führende Rivalen im globalen Outsourcing-Wettrennen dar. Darüber hinaus beginnen eilig einige GUS-Staaten wie die Ukraine, Nearshore-Dienstleistungen in der Softwareentwicklung als ihr Kernangebot anzubieten. Die EU-Erweiterung hat ohne Zweifel zur Entwicklung der bereits bestehenden Nearshoring-Tendenz beigetragen, dabei wählen die westeuropäischen Unternehmen ihre Softwareentwicklungs-Partner aus billigeren Nachbarländern, jedoch wird diese Wahl in der mittelfristigen Perspektive zugunsten der nächstliegenden EU-Nachbarländer fallen.

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