Fr 9 Mrz 2007
Oma Harbinger lebt schon seit Jahren alleine. Ihr Mann war vor 20 Jahren gestorben, seitdem widmete Sie sich Ihren Orchideen und Ihren Enkelkindern. Mit 94 Jahren war sie noch gut beisammen, mit Ihrer Gehhilfe schaffte sie es zweimal in der Woche zum Einkaufen und einmal im Monat zum Friedhof, um das Grab ihres Mannes zu besuchen.
Sie hatte auch keine Angst davor, plötzlich umzufallen und erst Monate später gefunden zu werden, ihre Enkel riefen ja wenigstens einmal pro Woche an.
Einer ihrer Söhne hatte einmal vorgeschlagen, sie soll sich doch eine Alarmanlage montieren zu lassen. „Wozu denn“, hatte sie gelacht, „ich hab doch meine Ersparnisse auf der Bank, bei mir gibt’s nix zu holen außer den Fotoalben. Die sah sie sich nämlich regelmäßig an. „Nein“, hatte ihr Sohn ernst gemeint, aber wenn du einmal umfällst und nicht mehr aufkommst, brauchst Du nur auf diesen Knopf drücken um Hilfe zu holen.
Sie hatte schließlich eingewilligt, und ein paar Tage Tage später war der Techniker von der Alarmanlagenfirma da und montierte ein graues Kästchen an der Wand, in das er die Telefonnummer ihres Sohnes eintrug.
Am Ende drückte er ihr etwas in die Hand das aussah wie eine Armbanduhr, aber statt dem Ziffernblatt nur einen roten Knopf hatte. Der Techniker versuchte ihr noch zu erklären, wie die Anlage über die Telefonleitung Hilfe herbeiholen kann, aber Oma Harbinger verstand kein bißchen davon.
Monatelang schüttelte sie den Kopf, wozu sie dieses Zeug denn brauchen würde, bis zu jenem Sonntag Abend. Sie hatte zu Mittag mit ihrer Freundin Schweinsbraten gegessen, und am Nachmittag ging es ihr gar nicht mehr gut. Bis zum Abend wurde es immer schlimmer, und in der Nacht konnte sie nicht mehr aufstehen. Als sie es garnicht mehr aushielt drückte sie auf den roten Knopf. Eine halbe Stunde später waren ihr Sohn und die Sanitäter da und brachten sie ins Krankenhaus.
Alexander Topolanek
atopo@ocv.org
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