Als die Französin Suzanne Lenglen in der 20er Jahren mit einer Radlerhose unter dem Rock den Tennisplatz bei den French Open in Paris betrat, verfolgte sie dabei keinesfalls modische Absichten. Vielmehr sollte dadurch möglichst viel Bein verdeckt bleiben, da allzu große Freizügigkeit sich damals nicht gehörte. Die Zeiten haben sich jedoch geändert. Aktuell ist der Centercourt ein bunter Laufsteg, der vor Farbenpracht und Freizügigkeit nur so strotzt.

Die Sponsoren und Designer haben den Tennisprofi als Model entdeckt. Getrieben von der Idealvorstellung, dass sich der Tennisfan gleich nach dem Match im Online-Shop den neusten Tennisartikel seines Lieblings kauft, betreten die Akteure mit immer spektakuläreren Outfits den Platz. Während Andre Agassi für sein kunterbuntes Paradiesvorgeldress samt Radlerhose zu Beginn der 90er Jahre noch eher mitleidiges Lächeln erntete, perfektionierten die Damen der Zunft den „Laufsteg Tennisplatz“. Anna Kournikova, die Williams-Schwestern oder Maria Scharapowa sind nur einige Beispiele für eine Bewegung, die auch vor den konservativen Kräften der Branche nicht halt macht.

Die aktuelle French-Open-Siegerin Justine Henin etwa, vormals nur mit Baseball-Kappe und weißem Hemd auf den Tennisplätzen unterwegs, überraschte auf der roten Asche von Roland Garros mit einem pinken Shirt. Scharapowa zog die Fans mit einem brombeerfarbenen Kleid in ihren Bann, das dazu noch lang und transparent war. Serena Williams trug einen handtellergroßen Ohrring, in dessen Mitte ihr Vorname in großen Buchstaben prangte. Funktionale Sportbekleidung sieht anders aus. Der ehemals weiße Sport ist mittlerweile farbenfroh, teilweise sogar extravagant. Der Court ist nicht mehr nur Ort eines sportlichen Duells, sondern ein Catwalk der Ausrüster und Designer.

Autor: Maik Langenberg

E-Mail: MLangenberg@gmx.net

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