Dresden glänzt seit Jahren durch seine Museenlandschaft.
Doch viele Menschen glauben, wer einmal in einem bestimmten Museum war, kennt dieses.

Weit gefehlt. In den Depots der Staatlichen Kunstsammlungen lagern tausende von Kunstwerken, von
denen die meisten Menschen noch nicht einmal wissen, das diese noch existieren. Mit wechselnden
Ausstellungen zusätzlich zum Standardprogramm versuchen die Kunstsammlungen auch diesem ungeheuren
Reichtum gerecht zu werden.

Vor dem Hintergrund der Rückforderungsansprüche des Hauses Wettin, des ehemaligen Fürstenhauses von
Sachsen, und der damit verbundenen Provienzforschung über die Wettiner Kunstgegenstände nehmen viele
Ausstellungen die Wettiner zu Anlaß und Inspiration.

Das Neue Grüne Gewölbe im Residenzschloss (Eingang Sophienstraße) zeigt aktuell vom 16. Mai bis 6.
August die Ausstellung “Mit Schwert und Kreuz zur Kurfürstenmacht. Friedrich der Streitbare,
Markgraf von http://www.meissen-tour.de>Meißen und Kurfürst von Sachsen (1370-1428)”.

Die Rüstkammer und das Grüne Gewölbe nehmen den 600. Jahrestag des Regierungsantritts Friedrichs
IV., des Streitbaren (1370-1428), in der Markgrafschaft Meißen im Jahre 1407 zum Anlass, diesen
Wettiner erstmals mit einer eigenständigen Ausstellung zu würdigen.

Die Kabinettausstellung führt bedeutende historische und kunsthistorische Zeugnisse des Lebens und
auch Nachlebens Friedrichs zusammen, darunter das erste Kurschwert der Wettiner, die
Belehnungsurkunde von 1423, eine sächsische Goldene Bulle Karls IV. für einen der askanischen
Vorläufer von 1376, das wieder entdeckte Nachlassinventar der Kleinodien, Waffen und Kleidungen von
1428, ein Kleinod des Drachenordens, dem der Wettiner angehörte, ausgewählte Prunkgefäße, Münzen,
seltene Waffen und vieles mehr.

Der Mathematisch-Physikalische Salon ist mit der Ausstellung “Die Geometrie der Macht” vom 16. Mai
bis 2. September zu Gast im Residenzschloss. Die Ausstellung zeigt Instrumente aus der Zeit um 1600,
die dem Wissensdurst und repräsentativen Selbstverständnis der sächsischen Fürsten gedient
haben:vergoldete Objekte, die mittels der Mathematik und Mechanik zur Vermessung des Himmels und der
Erde, zum Umgang mit Geheimnissen, zur Verlebendigung des Kunstwerkes und zur symbolischen
Befestigung der höfischen Gesellschaft Verwendung fanden.

Hervorragende Exponate illustrieren, wie die Mathematik und Mechanik sich immer neue
Anwendungsgebiete in der Renaissance erschlossen.

Die Galerie Neue Meister zeigt in der Kunsthalle im Lipsiusbau, Brühlsche Terasse, vom 2. Juni bis
16. September die Ausstellung “Martin Kobe. The centre cannot hold”. In dieser Ausstellung werden
die irritierenden und faszinierenden Raumbilder Martin Kobes mit Werken aus der Galerie Neue Meister
und dem Kupferstich-Kabinett kontrastiert.

Auf diese Weise begegnen sich verschiedene, konzeptionelle und bildnerische Strategien zur
Konditionierung von Fläche, Körper und Raum in der bildenden Kunst.

“Zeichnungen des Lichts. Clichés-verre von Corot, Daubigny und anderen aus deutschen Sammlungen”
heißt die Ausstellung des Kupferstich-Kabinetts, die vom 9. Juni bis 3. September im Residenzschloss
zu sehen ist. Die Ausstellung ist einer ganz besonderen künstlerischen Technik gewidmet, die als
eine in Vergessenheit geratene Sonderform der Graphik neu zu entdecken ist: das Cliché-verre.

Erfunden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, verband sich im Cliché-verre ein klassisches
Radierverfahren mit der damals neuartigen photographischen Vervielfältigung.

Vom 15. Juni bis16. Juli zeigt das Kupferstich-Kabinett an gleicher Stelle unter dem Motto
“wiederentdeckt und restauriert: die “Ankunft Brunhildes in Worms”. Durch private Förderung konnte
das Kupferstich-Kabinett in Zusammenarbeit mit der Werkstatt von Dipl. Rest. Carsten Wintermann die
Restaurierung des durch Auslagerung stark beschädigten Kartons aus dem Bestand der Galerie Neue
Meister durchführen.

Der viereinhalb mal sechs Meter große Karton bildete die formatgleiche Vorzeichnung zu einem
Wandbild in den Nibelungensälen der Münchner Residenz. Mit der Präsentation sollen die speziellen
Verfahren der Restaurierung und Neumontierung vorgestellt werden.

Schließlich zeigt noch das Kunstgewerbemuseum im Bergpalais von Schloss Pillnitz vom 30. Juni bis
31. Oktober die Ausstellung “Servietten brechen - Serviettenfaltkunst vom 16. Jahrhundert bis
heute”.

Spätestens seit dem 16. Jahrhundert wurde das Falten von Servietten als eine Kunstform gesehen und
an Universitäten wie zum Beispiel in Padua gelehrt. Der katalanische Faltkünstler Joan Sallas
beschäftigt sich in dieser Ausstellung mit gefalteten Tischdekorationen, die bei repräsentativen
Festmalen zuerst in Italien, dann aber auch nördlich der Alpen Verwendung fanden.

Die klassische, als Mundtuch verwendete Serviette ist dabei ebenso zu sehen wie meterlange aus
Leinengewebe gefaltete Schlangen, schlossartige Käfige für weiße Kaninchen und Vögel oder sprudelnde
Tischbrunnen.

Luis Gondez, preismuffel@web.de

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