Gebirge in Deutschland

Die Mittelgebirgszone ist im Vergleich zum Norddeutschen Tiefland viel abwechslungsreicher. Einige Gebirge, wie das Rheinische Schiefergebirge, der Harz oder trotz völlig anderer Gesteine das Süddeutsche Schichtstufenland, sind weniger durch Gipfel als durch Hochflächen von 400-700 m über dem Meer gekennzeichnet, andere, wie die Eifel und das Hessische Bergland, sind durch die lebhaften Formen eines einstigen Vulkanismus gekennzeichnet.

Thüringer Wald, das bayerisch-böhmische Waldgebirge und die Sudeten sind Kammgebirge. Durch Gestein, Klima und Bewaldung hat auch der Schwarzwald Ähnlichkeit mit ihnen. Das Erzgebirge zwischen Sachsen und Böhmen ist eine nach Nordwesten flach einfallende Pultscholle mit imposantem Steilabfall zum Egertal. Die aus Kalk- und Sandsteinen gebildeten Rippen des Weserberglandes haben eine besonders kleingekammerte Topographie geschaffen, während das Elbsandsteingebirge mit seinen kreidezeitlichen Quadern und gewaltigen steilwandigen Tafelbergen und tief eingeschnittenen, engen Klammen an die Canons im Südwesten der USA erinnerte, wäre es ebenso wüstenhaft.

Es hat in Europa keine Parallele. Zu den Alpen hin ebbt die Mittelgebirgszone im Alpenvorland aus, als dessen Zentrum eine andere, ebenfalls besonders große deutsche Stadt fungiert: München, 600 m über dem Meer. Die Gipfelhöhen der deutschen Mittelgebirge nehmen generell von Nordwesten nach Südosten zu, ohne sich erheblich voneinander zu unterscheiden.

Das Weserbergland erreicht im Soiling mit 528 m (Große Blöße) seine größte Höhe, das Rheinische Schiefergebirge dagegen bei 747 m (Hohe Acht/Eifel), 816 m (Erbeskopf/ Hunsrück), 841 m (Kahler Asten/ Rothaargebirge) und 880 m (Großer Feldberg/Taunus). Während die Harzhochfläche vom Brocken-massiv (1142 m) noch um 400 bis 500 m überragt und damit die Waldgrenze überschritten wird, erreichen Thüringer Wald 982 m (Beerberg) und Rhön nur 950 m (Wasserkuppe). Weiter nach Süden und Osten kommen aber überwiegend Gipfelhöhen über 1000 m vor: Feldberg im Schwarzwald 1493 m, Großer Arber im Hinteren Bayerischen Wald 1457 m, Keilberg (Klinovec) im Erzgebirge 1244 m. Er liegt auf der böhmischen Seite; der höchste Erzgebirgsgipfel auf sächsischer Seite ist der Fichtelberg mit 1214 m. Im Riesengebirge findet sich der überhaupt   höchste   Mittelgebirgsgipfel, die Schneekoppe (1603 m).

Wenn auch die meisten Teile des deutschen Mittelgebirges als Reste des einstigen, ganz Europa querenden Variskischen Gebirges etwa sechsmal so alt sind wie die Alpen, so entstanden durch jüngere tektonische Bewegungen zahlreiche Mineral- und Thermalquellen. Die Alpen sind als Gebirge tertiären Alters, also 30-40 Millionen Jahre alt. Die Gesteine in den zentralen Ketten sind jedoch erheblich alter. Obwohl die Gipfelhöhen bis über 4000 m erreichen, ist dieses Gebirge doch so durchgängig gegliedert, dass es von Menschen seit vorgeschichtlicher Zeit durchdrungen und in Teilen wenigstens besiedelt ist. Die deutsche Besiedlung reicht seit dem Mittelalter bis zur Südseite und wird erst seit den letzten 100 Jahren stellenweise etwas zurückgedrängt, namentlich seit 1920 in Südtirol.

Land- und Waldwirtschaft, Bergbau und vor allem der gebirgsüberschreitende Verkehr haben die Alpen mit Abstand zum dichtest besiedelten und Best erschlossenen Hochgebirge der Welt gemacht.

Philipp Rüger

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