Sauftour in Berlin – die Stadtführung der anderen Art

Wahre Heerscharen von Billigtouristen suchen seit einiger Zeit die bundesdeutsche Hauptstadt heim. Vielen von ihnen, vor allem Briten (ohne jetzt hier irgendwelche ausgeleierten Klischees bedienen zu wollen), geht es dabei nur um eines: Sich möglichst billig dafür umso heftiger zuzuschütten. Pub-Crawls werden diese organisierten Sauftouren genannt.

Was ja vielleicht ganz witzig gedacht war, endet so im Irrsinn. Tatsächlich lässt sich anhand der Kneipenlandschaft die Atmosphäre einer Stadt ausmachen, kann man ihre Einwohner kennen lernen. Doch darum geht es den Alkoholtouristen nicht. Hier zieht man tatsächlich nur von Kneipe zu Kneipe und kann sich zum “Pauschalpreis” zulitern. Nun ja, jedem das seine…

Mit seriösen Stadtführungen haben solche Angebote denn auch nichts mehr zu tun. Dabei gibt es auch bei diesen als eher langweilig und verstaubt verpönten Spaziergängen zahlreiche spannende Aufnahmen. Man kann in die sogenannte „Unterwelt“ hinabsteigen – so zum Beispiel in Wien – und wähnt sich dann in Orson Welles‘ Klassiker „Der dritte Mann“. In der österreichischen Metropole, der man ja eine gewisse Morbidität nachsagt, kann man sich auch über Friedhöfe führen und sich vom Geiste vergangener Genies umwehen lassen. Dies ist aber nur ein Beispiel von vielen.

Natürlich ist in nahezu allen größeren Städten das Angebot inzwischen so bunt wie vielfältig. Und längst muss man sich nicht mehr stundenlang zu Fuß durch die Ortschaften quälen. Die Angebote gelten sozusagen „zu Wasser, zu Lande und in der Luft“.

Und wem der Sinn danach steht: hinterher kann man die gewonnenen Eindrücke sicherlich bei einem Bierchen in einer gemütlichen Kneipe auf sich wirken lassen – ohne danach volltrunken auf der Straße zu liegen und selbst zur “Attraktion” für Besucher zu werden.
Jana Wunderlich-Gaideczka
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