Di 15 Jul 2008
Britische Lebensversicherungen sind eine Form der Altersvorsorge, die von britischen Versicherungsunternehmen auf dem deutschen Markt offeriert werden und Elemente der klassischen und fondsgebundenen Lebensversicherung vereinen. Das britische Versicherungssystem und das deutsche Versicherungssystem sind grundlegend verschieden.
Der wohl markanteste Unterschied zwischen der deutschen und den britischen Lebensversicherung besteht in der durchschnittlich höheren Ablaufleistung für die Britische Lebensversicherung. Die überdurchschnittlichen Renditen werden ermöglicht durch die Anlagestrategie beziehungsweise Anlagepolitik der britischen Versicherungsunternehmen, die sich ausdrücklich von der deutschen Anlagepolitik unterscheidet.
Britische Lebensversicherungen besitzen mehr Freiheit bezüglich ihrer Anlagestrategie. Während die deutschen Versicherungsunternehmen maximal 35% des Anlagekapitals in Aktien investieren können, aber durchschnittlich nur etwa 10% bis 15% hier tatsächlich anlegen, ist die Aktienquote den britischen Versicherungsunternehmen freigestellt und wird per Gesetz nicht beschränkt. Britische Versicherer können theoretisch bis zu 100% des angelegten Kapitals in Aktien investieren, die durchschnittliche Quote liegt bei vergleichsweise hohen 55% bis 85%.
Um den Schwankungen des Aktienmarktes Einhalt zu gebieten, bilden britische Versicherungsunternehmen in positiven Jahren in der Regel Rücklagen, die in negativen beziehungsweise schwachen Jahren aufgelöst werden. Dieses Ausgleichs- beziehungsweise Glättungsverfahren wird als Smoothing bezeichnet.
Die oberste Aufsicht über die britischen Lebensversicherungsgesellschaften und deren Produkte obliegt der Financial Service Authority. Im Mittelpunkt steht die Erfüllbarkeit der finanziellen Zusagen, also die Stabilität der Gesellschaften und der angebotenen Versicherungsprodukte. Britische Versicherungsgesellschaften bilanzieren nach International Accounting Standards. Vermögenswerte werden dementsprechend zum Marktwert beziehungsweise Zeitwert angesetzt. Die Bildung von stillen Reserven ist kaum möglich, die hohe Transparenz ist ebenfalls ein Pluspunkt für die britischen Versicherer.
Die erste deutsche Lebensversicherung wurde 1827 gegründet, die erste britische Versicherung ist knapp 130 Jahre älter. Demzufolge konnte ein reicher Erfahrungsschatz angesammelt und die Anlagekompetenz innerhalb der Aktienbranche über Jahrhunderte aufgebaut werden. Britische Policen erreichten in der Vergangenheit eine rund 2,5% bis 3,5% höhere Rendite als deutsche Verträge. Der britische Versicherer Clerical Medical, kurz CMI, erzielte beispielsweise bei der Absicherung eines 30 jährigen Mannes mit 100%igem Todesfallschutz und einer Laufzeit von 25 Jahren, im 1. Versicherungsjahr (1999) eine Rendite von 13,5% und im 8. Jahr (2006) eine Rendite von 8,1%.
Trotz der gefallenen Rendite ist die Differenz zwischen britischen und deutschen Lebensversicherungen offensichtlich. Die Versicherungsmodelle auf dem deutschen Markt verfügen meist über einen jährlich neu festgelegten, garantierten Jahreszins. Von besonderer Bedeutung ist jedoch der vergleichsweise hohe Schlussbonus am Ende der Laufzeit (tatsächlich erzielte Überschüsse). Mittlerweile gibt es auch einige Produkte, die die Vorraussetzung für die Förderfähigkeit als Riester Rente erlangt haben und dementsprechend zertifiziert worden sind.
Somit wurde die renditestärke der englischen Lebens- oder Rentenversicherung mit der attraktiven Riesterförderung und der Sicherheit der Riester Rente kombiniert.
Autor: Ralf Eppmann
Email: r.eppmann@gmx.de
<
Diese Artikel könnten ebensfalls interessant sein:
- Wieviel Geld brauche ich im Alter?
- Lebensversicherungen als Altersvorsorge
- Finanzmakler
- Fondsgebundene Lebensversicherung
- Immobilien eine lohnende Geldanlage?
Kommentar schreiben
You must be logged in to post a comment.